Fahrrad-Wartung und -Pflege, damit das Bike lange gut läuft

Kaputtes ungepflegtes Fahrrad steht an der Spree am Treptower Park
Lass dein Fahrrad immer draußen stehen und gönne ihm keine Wartung, dann sieht es bald so aus…

Damit dein Fahrrad möglichst lange leichtgängig läuft, auch wenn du lange Strecken und sehr viel fährst, sind gute Wartung und Pflege das A und O!

Interview mit Guido Heinze, Eigentümer und Chef von „Radsport Heinze“ in Berlin-Treptow; wie sein Vater Arnd Heinze, Gründer des Unternehmens, war Guido Radrennsportler und konzentriert sich jetzt auf den bestmöglichen Service rund ums Fahrrad. Sein Geschäft zählt auch viele Radprofis als Kunden, und der Werkstattservice gilt als überaus kompetent.

Frage von Beste-Radtouren-Beatrice: Wenn ich ein recht gutes Fahrrad habe und möchte, dass es lange und gut läuft, was ist Ihr wichtigster Tipp?

Guido Heinze: Schön sauber halten. Je sauberer ich mein Rad halte, desto länger hält es und fährt sich gut. Zum Beispiel wenn auf der Kette Sand oder Schmutz ist, gelangt das ja auch auf den Zahnkranz und dann wird ständig ein kleines bisschen von den Zähnen abgerieben, sie verformen sich, und das schadet wiederum der Kette, sie verschleißt an bestimmten Stellen, was wiederum der Kassette (= Gesamtheit der Zahnkränze) schadet. Im Endeffekt führt das dazu, dass die Zähne nicht mehr exakt in die Kette greifen bzw. die Kette nicht mehr exakt auf dem Kettenblatt liegt.
Auch die Bremsen muss man sauber halten. Denn wenn die Bremsflanken der klassischen Bremse verdreckt sind, zum Beispiel Sand zwischen den Bremsbelag und der Felge ist, wird bei den Bremsvorgängen Substanz von der Felge abgerieben, d.h. sie wird immer dünner. Das ist sehr schlecht, denn es mindert u.a. die Stabilität des Rades.
Bei Scheibenbremsen ist es ähnlich. Die muss man vor allem vor öligen Flüssigkeiten schützen. Wenn der Bremsklotz sich voll Öl saugt, entsteht dieses typische Quietschen beim Bremsen, und die Bremse funktioniert auch nicht mehr gut; dann muss man den ganzen Bremsklotz austauschen.

Frage: Wie oft sollte ich mein Fahrrad zur Wartung bringen?
Guido Heinze:
Einmal im Jahr.

Frage: Ist es wichtig, das Fahrrad regelmäßig warten zu lassen?

Guido Heinze: Definitiv. Bei einer guten Wartung werden nicht nur die Standards geprüft wie zum Beispiel, ob die Bremsen und die Beleuchtung gut funktionieren, die Kette und die Zahnkränze gewechselt werden müssen, ob alle Schrauben fest sitzen – denn durch die ständigen Erschütterungen können sich immer wieder Schrauben lockern. Sondern auch der Zustand der Reifen, der Felgen, der Lager wird gecheckt. Ein Fahrrad hat ja mehrere Lager: Radlager, Tretlager und das Gelenk im Lenker. Auch die Schaltung muss sorgfältig überprüft werden, den Metall dehnt sich ja, und daher kann sich eine Schaltung im Lauf der Zeit verstellen.
Das alles spielt nicht nur eine Rolle für die Sicherheit des Bikes, sondern auch ob es leicht und gut läuft.

Frage: Was muss ich sonst noch beachten, damit ich lange Freude an meinem Fahrrad habe?

Guido Heinze: Man muss regelmäßig den Reifen anschauen; der Reifendruck muss passen; wenn zu wenig Druck drauf ist, bildet der Reifen ja beim Fahren einen Bauch und geht viel schneller kaputt.
((Anmerkung von Beatrice: Mein Tipp ist, entwickle ein Gefühl für den richtigen Reifendruck, so dass du ihn auch durch Drücken des Reifens mit den Fingern einschätzen kannst; das ist in einer Sekunde gemacht und dann weißt du, ob ein bisschen Luft drauf muss oder nicht. Meines Erachtens ist es gut, dies vor jeder längeren Tour zu tun.))

Frage: Wie oft sollte man denn die Kette wechseln?

Guido Heinze: Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung – also wenn man zum Beispiel jeden Tag zur Arbeit radelt und am Wochenende auch mal ne Tour, da kommen so 3000-3500 km zusammen – etwa einmal im Jahr. Falls die Kettenblätter verschlissen sind oder man seine Kette nicht gut sauber hält, muss man sie öfter wechseln. Wie schon erwähnt: Je verdreckter die Kette, desto mehr Verschleiß habe ich an der Schaltung und an der Kette.
Auch bei einer Nabenschaltung braucht man einmal im Jahr eine Wartung! Und je öfter man im Regen fährt oder das Fahrrad im Regen steht, desto wichtiger ist das! Die Nabenschaltung muss einmal im Jahr gespült werden, also ein Ölwechsel oder eine Ölspülung gemacht werden, je nach Typus der Schaltung.

Frage: Wie oft muss ich die Kette ölen bzw. schmieren?

Guido Heinze: Auch hier kommt es darauf an, ob man die Kette sauber hält – und was man zur Schmierung benutzt. Ich empfehle vor dem Schmieren, die Kette gründlich zu reinigen:
Erst mal mit einem Baumwolltuch gut abwischen, dann Reinigungsspray auftragen, dann mit heiß Wasser, dem etwas Spüli beigesetzt ist, spülen. Natürlich muss man darauf achten, dass die Rückstände umweltgerecht entsorgt werden! Anschließend, wenn die Kette trocken und sauber ist, kommt Kettenspray von guter Qualität drauf, auf Teflonbasis. Wenn man nicht oder nur selten im Regen fährt und auch sonst die Kette gut sauber hält, reicht dieser Vorgang einmal im Jahr, es sei denn, man radelt extrem viel.
Viele Leute schmieren ihr Fahrrad ja auf herkömmliche Weise mit Ketten-Öl oder Nähmaschinenöl. Das ist aber gar nicht so gut, weil das Öl dann auch außen auf der Kette ist und Sand und Schmutz anzieht. Gerade in diesem Fall ist es wichtig, die Kette vor einer neuen Schmierung zu reinigen.
Und man sollte das Schaltwerk (Kettenblätter, Umwerfer usw.) anschauen, ob es da starke Verschmutzungen gibt.

Frage: Haben Sie einen abschließenden guten Rat für uns Hobby- und Gelegenheitsradler?

Guido Heinze: Sand, Schmutz, Feuchtigkeit, das sind die Feinde des Fahrrads! Schützt euer Rad davor, und lasst es nicht im Regen stehen und auch nicht in einem feuchten Keller! Da droht Korrosion.
Am besten aufgehoben ist ein Rad an einem trockenen geschützten Ort, etwa in der Wohnung. Aber wenn das gar nicht geht und man es draußen stehen lassen muss, dann bitte wenigstens eine Plane drüber. Diese billigen „Fahrradgaragen“ aus dem dünnen Material bringen nicht viel, weil der nächste kräftige Windstoß dafür sorgt, dass das Rad nicht mehr zugedeckt ist; wenn, dann schon eine richtig solide Plane, die man unten festmachen kann.

© Beatrice Poschenrieder

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