Radtour 100: Naturparks und Belziger Landschaftswiesen von Brandenburg bis Trebbin

Radweg bei Messdunk südlich von Reckahn
Unser hübscher Radweg bei Messdunk südlich von Reckahn

Natur pur! Wir radeln durch das Baruther Urstromtal, die Belziger Landschaftswiesen, den Naturpark Fläming und Naturpark Nuthe-Nieplitz

Gut bei Nordwest-Wind, ok bei Westwind, Gesamtlänge: 93 km; „Strecke abkürzen“, Route und Karte siehe weiter unten; wenn du nur Naturschutzgebiet Krahner Busch und Belziger Landschaftswiesen machen willst, kannst du in Baitz in den Zug steigen: 44,5 km.

Zum Untertitel: Natürlich durchfahren wir nicht das komplette Baruther Urstromtal und den ganzen Naturpark Fläming (das wäre verdammt viel!), sondern wir radeln ungefähr da, wo sie sich überschneiden – auch mit den Belziger Landschaftswiesen und dem Naturpark Nuthe-Nieplitz und darüberhinaus noch mit dem Brachwitzer Busch und dem Nuthe-Urstromtal. Das Ganze ist quasi eine riesige, sehr breite und flache Niederung, die sich länglich durch die Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming zieht. Sie geht im Prinzip schon wenige Kilometer südlich von Brandenburg an der Havel los.
Wir starten am Hauptbahnhof und radeln gleich aus der Stadt raus; südlich und südöstlich davon gibt es eine ruhige, dünn besiedelte, recht naturbelassene Landschaft mit eher kleinen Orten. Das erste Dorf, das wir passieren, trägt den lustigen Namen Göttin; im zweiten, Reckahn, gibt´s außer einem netten Dorfkern auch ein Schloss und daneben ein hübsches Gutshaus.

Dorf Göttin liegt ca 5 km südlich von Brandenburg
Das Dorf mit dem schönen Namen Göttin liegt ca 5 km südlich von Brandenburg
Schloss und Gutshof Reckahn, Foto von der Brücke aus
Reckahn: Links das Schloss, rechts der Gutshof

In Reckahn verlassen wir die Landstraße und biegen ab auf einen Landwirtschaftsweg Richtung Natur, vorbei an den Reckahner Teichen mitten ins Naturschutzgebiet Krahner Busch.

Foto vom Radweg aus: Landschaft bei Reckahn (Kloster Lehnin)
Landschaft bei Reckahn: Grüne Weite und kaum eine Menschenseele
Aussichtspunkt Reckahner Fischteiche
Ich schätze, aus der DDR-Zeit stand noch dieser Betonklotz herum; jemand hat ihn zu einem Aussichtspunkt über die Reckahner Fischteiche umfunktioniert
Reckahner Fischteiche bei Messdunk / Reckahn, Foto vom Ufer aus
…und das hier ist von der „Aussichtsbank“ aus zu sehen
Kuhweide zwischen Messdunk und Lucksfleiß
Kuhweide zwischen Messdunk und Lucksfleiß
Feld Hammerdamm bei Lucksfleiß, Foto vom Radweg aus
Was zum Teufel ist das, was auf diesem Feld bei Lucksfleiß angebaut wird??

Das dritte Dorf, Golzow, ist ein etwas größeres und bietet neben der außergewöhnlichen oktogonalen Kirche (achteckiger Grundriss) auch ein ungewöhnliches Museum, die „Alte Brennerei“, wo unter anderem gezeigt wird, wie man früher Schnaps gebrannt hat.

Foto vom Klostertour-Radweg aus: Achteckige Dorfkirche von Golzow, offene Kirche
Die Oktogon-Kirche von Golzow

Im vierten Dorf, Cammer, macht meine Route einen Schlenker in den hübschen Park, wo es ein Gehege mit mehreren prachtvollen Pfauen und anderen Vögeln zu sehen gibt…

Pfauengehege im Park von Cammer (Planebruch), Voliere
Das Pfauengehege im Park von Cammer ist größer, als es auf dem Bild aussieht

In Cammer biegen wir erneut ab in menschenleere Gegend, in dem Fall in die Belziger Landschaftswiesen, eines der größten Naturschutzgebiete Deutschlands. Da es hier null Häuser gibt, gibt es auch keine asphaltierten Wege, sondern nur Platten- und andere Landwirtschaftswege – nicht gerade luxuriös zu radeln, aber dafür sieht und hört man hier auf viele Kilometer nichts als nur Natur! Und wenn man Glück hat, sogar seltene Vogelarten wie die Großtrappe (siehe auch Radtour 94).

Belziger Landschaftswiesen, Foto vom Radweg aus
Zu Frühlingsanfang noch etwas trocken: Teil der Belziger Landschaftswiesen zwischen Golzow und Fredersdorf
Schild in den Belziger Landschaftswiesen: "Das Jahr der Großtrappen"
Schild in den Belziger Landschaftswiesen: „Das Jahr der Großtrappen“

Ab Fredersdorf fahren wir dann nur noch auf Asphalt, auf angenehmen Landstraßen und auf reinen Radstraßen. Ab Fredersdorf fast bis Rottstock sind wir auf dem Europa-Radweg R1 und der Tour Brandenburg – ein schönes Stück!

Foto von Europa-Radweg R1 und Tour Brandenburg aus: Landschaft zwischen Baitz und Trebitz/ Gömnigk
Auf dem Europaradweg zwischen Baitz und Trebitz können wir von oben nochmal in die Belziger Landschaftswiesen schauen

Ich mag das Gebiet zwischen Linthe und Buchholz ebenso gern, es nennt sich Brachwitzer Busch, aber auch die ganze Gegend danach ist klasse, geprägt durch tolle grüne Landschaft und ganz kleine Orte.
Trebitz, ein Mini-Ort mit rd. 250 Einwohnern, verfügt über eine sehenswerte Kirche – wie fast alle der nachfolgenden Orte!

Foto vom Europa-Radweg R1 und der Tour Brandenburg aus: Dorfkirche Trebitz (Brück) bei Gömnigk
Die ursprüngliche Dorfkirche von Trebitz brannte 1894 komplett ab; das hier ist der Nachfolger (Bauzeit 1896-98); sehr gelungen, wie ich finde, geradezu stylish!

Linthe hat immerhin rd. 890 Einwohner – und ein wuchtiges Gotteshaus:

Dorfkirche von Linthe, Foto von schräg vorn vom Radweg aus
Hier kommen wir auch vorbei: Die Dorfkirche von Linthe ist unheimlich alt, erbaut vermutlich im Zeitraum 1210 – 1225. Der Turm wurde nachträglich erhöht (roter Backstein)

Das nächste Dorf, Schlalach, ist wiederum sehr klein (rd. 320 Einwohner) und besitzt eine Kirche, die nicht nur von außen sehr toll anzusehen ist. Falls möglich, dann geh hinein. Im Innern gibt es nicht nur schöne Malereien an der Decke und den Emporen, sondern auch einen prachtvollen, sehr speziellen Altar. Vermutlich befand er sich ursprünglich in Wittenberg; diese Stadt war als erste betroffen vom Bildersturm im Zuge der Reformation: Das bedeutet, dass bildliche Darstellungen von Jesus Christus und von Heiligen aus Kirchen geholt, beschlagnahmt, oft auch beschädigt oder zerstört. Dazu zählten natürlich auch Gegenstände und Inneneinrichtungen, die solche Bildnisse zeigten, wie etwa Altare. Der in der Schlalacher Kirche wurde von Familie von Oppen gestiftet, die damals das Patronat über die Kirche hatten. Sie hatten den goldenen Altar mit seinen reichen Schnitzereien wahrscheinlich aus einer Beschlagnahmung erstanden.

Foto vom Radweg aus: Dorfkirche Schlalach (Mühlenfließ)
Auch die Kirche von Schlalach hat eine Vorgängerin, die schon um 1200 entstand. Die jetzige wurde um 1500 errichtet und erhielt etwas später eine schmucke Turmspitze, die im 2. Weltkrieg leider runtergeschossen wurde

Die Dorfkirche von Brachwitz ist die einzige Kirche im ganzen kirchenreichen Potsdam-Mittelmark, deren Schiff überwiegend aus Raseneisenstein besteht. 1995 wurde um die Steine herum hell verputzt, was nicht nur dieses ganz besondere braune Material wunderbar zur Geltung bringt, sondern auch harmonisch zum Turm passt:

Foto vom Radweg aus: Dorfkirche Brachwitz (Gemeinde Treuenbrietzen)
Das Schmuckstück von Brachwitz
Foto vom Radweg aus: Landschaft zwischen Brachwitz und Buchholz
So hab ich´s gern: Ein tiptop Radweg durch eine weite und grüne Landschaft nach Buchholz
Foto vom Radweg aus: Blick auf Wittbrietzen aus Richtung Buchholz
…und kurz vor Wittbrietzen
Dorfkirche Wittbrietzen, Südseite: Foto vom Süden her
Dort erwartet uns diese famose Kirche

Drei Teile der Dorfkirche Wittbrietzen – Kirchenschiff, Chor, Apsis – entstanden 1226 und 1250, der Turm kam wahrscheinlich etwa 200 Jahre später dazu. Bis 1847 gab es von der Kirche aus keinen Zugang zum Turm, sondern über eine verdammt hohe Leiter musste man bis zum oberen Fenster hochsteigen (siehe folgendes Foto, das dritte Fenster von unten). In Belagerungszeiten fanden Bürger auf diese Weise Zuflucht in den Obergeschossen des Turms und im Dachboden des Kirchenschiffs, der von hier aus zugänglich war. Ich schätze mal, dass körperbehinderte, sehr alte und sehr füllige Menschen das nicht schafften und unten bleiben mussten. Im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung, daher wurde wegen Platzmangel in der Kirche (ja, sowas gab´s damals noch!) ein Durchbruch zum Turm geschaffen und in diesen zwei Emporen eingebaut.

Foto vom Norden her: Dorfkirche Wittbrietzen (Beelitz)
Von hinten sieht sie noch famoser aus: Schau dir dieses alte Meisterwerk näher an!

Kurz danach, hinter Wittbrietzen, beginnt der nächste Naturpark, nämlich Nuthe-Nieplitz (einen anderen Teil dieses Naturparks kannst du erkunden in Radtour 14 und in Radtour 46).

Foto vom Radweg aus: Naturpark Nuthe-Nieplitz zwischen Wittbrietzen und Dobbrikow
Unser Radweg zwischen Wittbrietzen und Dobbrikow…
Foto vom Radweg aus: Naturpark Nuthe-Nieplitz zwischen Wittbrietzen und Dobbrikow
…und so sieht er in der anderen Richtung aus

Das südliche Ende des Naturparks Nuthe-Nieplitz liegt in Dobbrikow, das wir durchqueren, und sein östliches Ende in Trebbin, wo auch unsere Tour endet. Natürlich kommt dazwischen auch noch viel Hübsches…

Foto vom Radweg Historische Stadtkerne aus: Dorfkirche Dobbrikow
Bildschön: Der Feldstein-Korpus der Dorfkirche von Dobbrikow entstand um 1188, der Fachwerkturm kam um 1700 drauf
Foto vom Radweg aus: Pferdekoppel zwischen Dobbrikow und Hennickendorf
Zwischen Dobbrikow und Hennickendorf
Stüler-Kirche Hennickendorf, Nuthe-Urstromtal, Foto von vorn mit Eingang
Die Dorfkirche von Hennickendorf ist eine Kirche von Friedrich August Stüler (1800 – 1865) – ein sehr fleißiger preußischer Baumeister
Foto vom Radweg aus: Im Nuthe-Urstromtal zwischen Hennickendorf und Ahrensdorf
Im Nuthe-Urstromtal zwischen Hennickendorf und Ahrensdorf
Foto vom Radweg aus: Mohnfeld, roter Klatschmohn zwischen Hennickendorf und Ahrensdorf
Farbige Aussichten auch längs des Radwegs
Radweg von Ahrensdorf nach Löwendorf und Trebbin
Endspurt: Kurz vor Löwendorf und Trebbin sind wir auf diesem angenehmen Radweg

Grobe Streckenführung:
Hauptbahnhof Brandenburg – Wilhelmsdorfer Vorstadt – Göttin – Reckahn – Meßdunk – Lucksfleiss – Königsberg – Golzow – Cammer Gutspark – Cammer, Schulstraße – Belziger Landschaftswiesen – Fredersdorf – Baitz – Trebitz – Rottstock (gehört zu Brück) – Linthe – Schlalach – Brachwitz – Buchholz – Wittbrietzen – Dobbrikow – Hennickendorf – Ahrensdorf – Löwendorf – Trebbin Bahnhof.

Strecke abkürzen:
Nur bis Bahnhof Baitz: 44,5 km; erst ab Baitz bis Trebbin: 50,5 km
Nur bis Bhf Brück: 50,5 km; erst ab Brück bis Trebbin: 44 km
Nur bis Bhf Buchholz: 66 km

Zur Karte:
Sie enthält
1) einen Abstecher in Reckahn zum Schloss;
2) einen Mini-Umweg in Cammer zum Pfauengehege und zum Gutspark.

Download file: Rt100_neu_Naturparks_von_Brandenburg_nach_Trebbin.gpx
Hier die GPX-DateiAppell an Dich: Ich hab Zeit und Geld investiert, um diese Radroute für MEINE Webseite zu entwickeln, nicht für Komoot & Co. Bitte veröffentliche sie am Ende nicht auf deren Webseite.

© Beatrice Poschenrieder

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