Radtour 46a: Sabinchen Seen mit Spargel: Treuenbrietzen – Beelitz – Potsdam

Ortseingang - oder in dem Fall Ortsausgang - von Beelitz
Ortseingang – oder in dem Fall Ortsausgang – von Beelitz

Warst du schon mal in der „Sabinchenstadt“ Treuenbrietzen? Hast du dir je die Spargelstadt Beelitz genau angesehen? Und die schöne Gegend drumherum?

Sehr gut bei Südwestwind, gut bei Südwind, Gesamtlänge: 52 – 55 km (je nach der Route)

Grobe Streckenführung:
Bahnhof Treuenbrietzen – Zentrum – Buchholz – Salzbrunn – Vogelbeobachtungsturm – Radwanderweg F5 – Beelitz Zentrum – Bahnhof Beelitz-Heilstätten – Europa-Radweg R1 – Ferch – Caputh – Templiner Straße – Leipziger Straße – S- und Hauptbahnhof Potsdam
(Hinweise zu Badestellen auf dieser Route gibt es bei Radtour 46!)

Strecke abkürzen:
Erst ab Bahnhof Beelitz (bis Potsdam): ca. 25 km
Nur bis Bahnhof Caputh: ca. 43 – 46 km
Nur bis Bahnhof Beelitz-Heilstätten: 30 – 32 km
Nur bis Bahnhof Beelitz: 25 – 28 km
Nur bis Bahnhof Beelitz: 27,5 km (inkl. Runde durch die Stadt ca. 30 km)
Erst ab Bahnhof Buchholz: ca. 40 km

Beelitz vom Radweg aus
Beelitz vom Radweg aus

Wenn du auf dieser Route aus dem Bahnhof Treuenbrietzen kommst und in die Stadt radelst, wirst du genau in der Mitte vor dem schönen weißen Rathaus ein Denkmal vorfinden: Auf einem Sockel steht eine Frau, an ihrem Kleid unten klebt ein Esslöffel, und unter ihr auf dem Sockel liegt ein Mann und schläft augenscheinlich (siehe Foto).

Treuenbrietzen Rathaus mit Sabinchen-Denkmal und Brunnen
Das Rathaus von Treuenbrietzen mit dem Sabinchen-Denkmal

Ich hatte ja schon in der umgekehrten Version dieser Route, der Radtour 46, angekündigt zu erzählen, warum Treuenbrietzen den Beinamen „Sabinchenstadt“ trägt…
Ich dachte erst, das Sabinchen wäre vielleicht eine in Treuenbrietzen geborene Heldin, die die Stadt vor dem Untergang rettete, oder so. Aber nein, die Frau ist nicht mal da geboren, sondern der böse Kerl, der sie umgebracht hat, kam von da. Jedenfalls laut einem ganz alten deutschen Volkslied von Achtzehnhundert-irgendwas, vielleicht sogar noch älter, mit dem Titel „Sabinchen war ein Frauenzimmer“. Die Sabine war eigentlich eine tugendhafte Maid, bis sie sich in einen Nichtsnutz aus Treuenbrietzen verliebte, der ihr Hab und Gut versoff, und als bei ihr nichts mehr zu holen war, stiftete er sie an, ihre Dienstherren zu bestehlen. Blöderweise kam das raus (vielleicht fiel ihr einer der Silberlöffel aus der Schürze, so wie auf dem Denkmal), sie wurde rausgeworfen und machte ihrem Liebhaber bittere Vorwürfe, worauf dieser ihr mit seinem „Transchirmesser“ (Rasiermesser) die Kehle durchschnitt. Auch das kam raus und er wurde am Galgen erhängt.
Ich will euch den Text nicht vorenthalten, er ist so klasse! (siehe unten*)

Da das Lied bzw. die Moritat einige Berühmtheit erlangte, vergrößerte auch Treuenbrietzen seinen Bekanntheitsgrad, und so wurde der Sabine und ihrem Mörder ein Denkmal gesetzt. Zudem gibt es (normalerweise) jedes Jahr im Juni zehn Tage lang die „Sabinchenfestspiele“, mit Umzug, Wahl des sog. „Sabinchen-Paares“, Barockfeuerwerk, großem Markt, Konzerten u.a.. Jedes zweite Jahr im Oktober findet zusätzlich der „Sabinchenball“ statt.

Weitere Infos zu dieser Radroute findest du bei Radtour 46!

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* Die Sabinchen-Moritat, Version aus dem Erstdruck 1849:

Höchst schauderhafte Begebenheit, welche vorigtes Jahr am dreißigsten Februar ist begangen worden. Nebst Beschreibung von der Verlaufung der ganzen Sach.

Ihr Leute merkt und nehmt zu Herzen
Die traurige Geschicht;
Der Diebstahl, der bringt große Schmerzen,
Und nie kein Segen nicht.

Sabine war ein Frauenzimmer,
Sie war auch tugendhaft;
Deßhalben war zufrieden immer
Mit ihr auch die Herrschaft.

Da kam einstmals von Treuenbrietzen
Ein junger Mensch daher
Und sprach: Ich möchte sie besitzen.
Es war ein Schuhmacher.

Sie hat sich nicht sehr lang bedenket
Und sprach: es mag so sein!
Sie hat zu leicht Vertrau’n geschenket
Des Schusters falschem Schein.

Er kommt allnächtlich zu Sabinen
Und seufzt: Ich steck’ in Noth;
Gerührt von seinen bittern Mienen
Gibt sie ihm, was sie hat.

Da thut er es sogleich verschwenden
In Schnaps und auch in Bier;
Und thut sich nochmals an sie wenden,
Will wieder Geld von ihr.

Sie kann nicht mehr kein Geld sich leihen;
Drum geht sie auf der Stell
Und muß der Herrschaft veruntreuen
Zwei silberne Löffel.

Als aber sind zwei Tag vergangen,
Da kommt der Diebstahl raus;
Die Herrschaft jug mit Schimpf und Schanden
Sabinen aus dem Haus.

Sie klagt’s in ihren Gewissensbissen,
Ihr ist das Herz so schwer;
Doch will jetzt nichts mehr von ihr wissen
Der Treuenbrietzenehr.

Sie seufzt: Du böser Pflichtvergessner,
Du rabenschwarze Seel!
Da nimmt er schnell ein Transchirmesser
Und schneidt ihr ab die Kehl.

Das Herzblut thut sogleich rausspritzen,
Sie sinket um und um.
Der falsche Schuster von Treuenbrietzen
Der steht um sie herum.

Sie thut auch gleich die Glieder strecken,
Nebst einem Todesschrei;
Den bösen Wicht thun jetzt einstecken
Zwei Mann von der Polzei.

In Ketten und in Eisenbanden,
Bei Wasser und bei Brot,
Hat er reumüthig eingestanden
Die schwarze Frevelthat.

Am Galgen wurd’ der Treuenbrietzner
Gehängt durch einen Strick;
Dazu hat ihn gebracht die Untreu
Und auch die falsche Tück.

Drum soll man keine Kehl abschneiden,
Es thut kein Gut ja nicht.
Der Krug, der geht so lang zu Wasser,
Bis ihm sein Henkel bricht.

(gefunden in Wikipedia unter dem Eintrag „Sabinchen war ein Frauenzimmer“)
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Zur Karte:
Sie enthält zwischen Buchholz und Salzbrunn zwei Varianten. Die eine ist direkter und viel kürzer, aber scheußlich zu radeln (Schotterweg), die andere auf einer asphaltierten Landstraße (ca. 3 km länger).

© Beatrice Poschenrieder

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