Bahnfahren mit Rad leichtgemacht: Infos und Tipps

Wer Regional-, S- oder U-Bahn immer nur zu Stoßzeiten benutzt – oder auch nie – hat oftmals eine falsche (unbequeme!) Vorstellung von der Radmitnahme

Im Radabteil eines Regionalzuges ist oft reichlich Platz
Im Radabteil eines Regionalzugs: Wer nicht zu den Stoßzeiten fährt, hat oft so viel Platz wie hier!

Manche Leute scheinen eine Art generelle Phobie gegen Bahnfahren zu haben, speziell was den öffentlichen Nahverkehr betrifft, als ob sie feindliches Terrain beträten… Dabei wollen die Menschen da drin ja alle das Gleiche, nämlich von A nach B kommen. Andere, die Bahn mit Rad scheuen, haben wiederum die Erfahrung gemacht, dass es in der U-/S-Bahn oder Regio so voll sein kann, dass man mit seinem Bike nicht hineinkommt oder böse angeschaut wird oder sich hineinquetschen muss und Leuten auf die Füße tritt. Ich möchte aber betonen, dass dies nur zu den Stoßzeiten der Fall ist, also werktags morgens zwischen halbacht und halbneun sowie werktags spätnachmittags zwischen fünf und sechs, und das auch überwiegend nur in Ballungsräumen. Am Wochenende kommt es eh selten vor, außer in Ausnahmefällen wie z.B. am Vatertag und zum Kirschblütenfest in Werder und in einzelnen Zügen der RE5 Richtung Norden (am Vatertag sollte man es komplett vermeiden, mit dem Rad in eine Bahn zu steigen, und am Kirschblütenfest alle Bahnen, die in diese Richtung fahren).
Wenn du die Stoßzeiten also umgehst oder vielleicht eh nur am Wochenende für Radtouren losziehst, ist es in der Regel kein Problem – es sei denn wiederum, du bist in einer größeren Gruppe unterwegs und ihr wollt alle ins selbe Fahrradabteil, in dem sich bereits zu viele andere Fahrgäste befinden. In dem Fall ist es schlau, sich als Gruppe auf mehrere Fahrradabteile aufzuteilen und auch nicht gerade dort einzusteigen, wo schon viele andere mit Rädern, Kinderwagen und Koffern auf dem Bahnsteig stehen. Du hast ja auch die Möglichkeit, dein Bike im einen Abteil einfach nur zu parken und dann durch den Zug zu deiner Mannschaft zu gehen.
Hinweis: Oftmals ist nur der vorderste oder hinterste Waggon als Fahrradabteil groß sichtbar gekennzeichnet, sodass alle mit ihren Fahrrädern dorthin stürzen, sodass es an schönen Radtouren-Tagen berstend voll sein kann, was natürlich stresst. Es ist aber so, dass fast jeder Regionalzug (es sein denn, es ist ein Mini-Kurzzug) nicht nur ein, sondern mehrere Radabteile hat, oft nur sehr klein gekennzeichnet, wo wir Radler beim einfahrenden Zug ziemlich genau hinschauen müssen.

Typisches Radabteil eines Regionalzugs der Deutschen Bahn
So sieht ein typisches Radabteil eines Regionalzugs der Deutschen Bahn aus

In der S-Bahn ist das weniger ein Problem, weil da jeder Zug über mehrere Fahrradabteile verfügt und es auch nicht allzu schlimm ist, einen überfüllten Zug auszulassen – sehr oft kommt gleich hinterher ein weiterer Zug, der nicht so voll ist, oder zehn Minuten später der nächste. Zudem wird es in der Regel geduldet, dass du mit deinem Rad auch in ein normales Abteil (ohne Fahrrad-Kennzeichnung) steigst, sofern du niemanden massiv behinderst. Mit mehreren Leuten ist das natürlich keine so gute Idee; da solltest schon das Radabteil aufsuchen und gegebenenfalls die Nicht-Radfahrer, die dort sitzen, ganz freundlich bitten, ob sie sich eventuell woanders hinsetzen können. Manche Radfahrer sind nämlich – eigentlich zu Recht – vergrätzt, wenn das gesamte Radabteil voll mit Leuten ist, die weder Rad noch Kinderwagen bei sich haben, obwohl es im restlichen Abteil genug freie Sitzplätze gäbe. Und dann werden diese Platzhalter von manchen Radlern ein bisschen unfreundlich zurechtgewiesen, was in der Regel NICHT ein Freigeben des Platzes zur Folge hat, sondern nur ein unfreundliches Zurückblaffen. Sprich: Deine Chancen sind mit sehr freundlichen Bitten, die jeglicher Zurechtweisung entbehren, viel höher!
Noch doller kann dieses Problem im Regionalzug sein. Manchmal ist es ja nicht zu vermeiden, dass du z.B. am Ende einer Radtour in einen Zug steigst und dann ausgerechnet den Berufsverkehr erwischst; und viele Menschen, die einen Arbeitstag hinter sich haben, scheinen nicht groß nachzudenken, wo sie sich hinsetzen, und reagieren auch extrem genervt allein schon wenn man sie darauf hinweist, dass sie im Radabteil sitzen und nun kein Platz für Fahrräder mehr ist. Rein rechtlich ist es so, dass wenn der Zug genug freie Plätze für Leute ohne Rad/ Kinderwagen/ Koffer hat, diese verpflichtet sind, das Fahrradabteil freizumachen, falls sonst nicht genug Platz für dieses „Sperrgepäck“ wäre, denn damit den Mittelgang des Abteils oder die Ausgänge zu blockieren, ist untersagt.

Aus Rücksicht auf andere sollten im Radabteil übrigens Seitentaschen abgenommen werden; das gilt natürlich nicht, falls reichlich Platz vorhanden ist, aber sobald es enger wird, ist es eine höfliche Geste, da dann einfach mehr Räder nebeneinander passen.

Zudem ist es eine kluge Idee, einen Spanngurt dabei zu haben (eh gut, falls du einen Rucksack oder eine Tasche auf den Gepäckträger klemmst), denn damit kannst du dein Rad in der S-Bahn oder Regio so fixieren, dass es weder umfällt noch hin und her rutscht. In manchen Regionalbahnen (z.B. ODEG) ist dies sogar Pflicht.
Manche Regios haben auch Gurte, mit denen man das Rad ein bisschen fixieren kann, aber erstens verfügen die meisten nicht darüber, zweitens halten diese Gurte nicht besonders gut, drittens sind sie oft nicht an der Stelle, wo man sie braucht.

© Beatrice Poschenrieder

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