Radtour 76: Challenge: 178 km rund um Berlin, ohne es zu berühren (nicht Mauerweg!)

Badestelle am Krossinsee bei Wernsdorf, zwischen Wernsdorf und Ziegenhals
Abendstimmung am Strand des Krossinsee zwischen Wernsdorf und Ziegenhals

Eine satte Runde um Berlin, ohne es zu berühren (und nur ganz wenig Mauerweg), durch 7 Brandenburg-Landkreise, auf gut radelbaren Wegen. Natürlich abkürzbar!

Sehr gut bei wenig Wind/ Windstille, Gesamtlänge: 178 km

Strecke abkürzen:
Die Eckpunkte dieser Route sind auch die, wo du die Strecke jeweils beginnen oder beenden und beliebig abkürzen oder zusammenstellen kannst: Potsdam, Hennigsdorf, Bernau, Königs Wusterhausen. Und dazwischen gibt es viele weitere Bahnhöfe, sodass du noch mehr Optionen hast, etwa deine geplante Tour um ein Stück verlängern, falls du noch Kraft hast, oder sie vorzeitig beenden: Erkner, Fredersdorf, Seefeld, Schönwalde, Hohen Neuendorf, Seegefeld, Struveshof, Ludwigsfelde, Dabendorf.
Die jeweiligen Entfernungen wirst du bald bei den einzelnen Streckenabschnitten finden, die ich dieser Tage noch als Einzelbeiträge online stellen werde.

Eigentlich war diese Challenge von mir gar nicht so gedacht, dass der ganze Rundkurs an einem Tag geschafft werden sollte. In den letzten Wochen hatte ich Stück für Stück der Route erarbeitet mit dem Ziel, an einem geeigneten Tag (wenig Wind, gutes Wetter, nicht zu heiß) so viel davon zu radeln, wie es für mich eben machbar war, und zwar ohne Schmerzen! Denn ich finde es zwar gut, sich körperlich zu fordern, aber dabei Schmerzen zu erleiden, ist Unsinn, denn sie sind ein Zeichen, dass etwas dem Körper nicht mehr gut tut. Zudem würde ich mir damit mein liebstes Hobby (Radtouren planen und fahren) verderben.
Jedenfalls stand die Route dann vor 8 Tagen: Wege, die ganz gut zu radeln sind, aber nicht ZU weit draußen, nicht zu kompliziert zu finden und die Gesamtrunde nicht zu lang – ich wollte ja dieses Jahr noch so viel wie möglich davon schaffen, und vielleicht nächstes Jahr im Juni, wenn die Tage am längsten sind, die ganze Strecke.
Gestern (11.9.) war es dann so weit: Nur ein bis zwei Windstärken, Sonne, Höchsttemperatur 24 Grad. Klar ist der 11. September nicht ganz perfekt, denn es kann morgens schon ziemlich kalt sein und die Sonne geht in/um Berlin um 19 Uhr unter. Bei 120, 150 oder auch mehr Kilometern braucht man mit einem normalen Trekkingrad mehrere kleine und mindestens eine größere Pause (bei trainierten Rennradlern wie meinem Kumpel Mirko ist das was anderes), man muss sich auch mal umziehen, auf die Karte schauen, ein paar Happen essen usw., dadurch zieht sich das Ganze in die Länge, und ich hatte nicht den Ehrgeiz, die letzten 20 km im Dunkeln zu absolvieren.

Wie auch immer: Gestern stand ich um 5.20 Uhr auf, damit ich gut ausgerüstet (Frühstück im Bauch, warme Klamotten am Leib, Proviant, Wasser und Wechselkleidung im Rucksack) um kurz nach sieben am Startpunkt sein konnte, Bahnhof Königs Wusterhausen. Das erste Stück am Nottekanal lang nach Mittenwalde ist um die Uhrzeit wunderbar, und von dort bis Ludwigsfelde durch die dörfliche Gegend südlich von Berlin ist´s auch recht schön.

Potsdam, Neuer Garten, Blick vom Marmorpalais auf den Heiligen See
Die Route geht auch hier lang: Potsdam, Neuer Garten, Blick vom Marmorpalais auf den Heiligen See

In Potsdam am Hauptbahnhof wartete bereits, wie abgemacht, mein Radkumpel Andreas. Auf einer Rad-Challenge einen Begleiter mitzunehmen, ist teils gut, teils nicht so gut. Gut daran ist, dass man das Ganze nicht allein durchstehen muss, es einfach netter ist und die Zeit schneller vergeht. Weniger gut daran ist, dass man nicht so leicht in sein eigenes Tempo findet. Eigenes Tempo finden, damit meine ich: Du schaust nicht auf andere und versucht dich ihnen anzupassen, sondern du radelst zügig mit gleichmäßigem Kraftaufwand, OHNE DICH ZU SCHINDEN (also z.B. bergauf nicht ackern wie blöd, nur um deine km/h beizubehalten). Es muss sich immer noch irgendwie leicht anfühlen, aber dabei verfällst du auch nicht ins gemütliche Gondeln. Die Muskeln dürfen nicht über- und nicht unterfordert werden. Denn nur so ist es – meines Erachtens – für einen Amateur wie mich möglich, sehr sehr lange Strecken zu radeln. Gestern hatte ich allerdings Andreas eine zu optimistische (= zu frühe) Zeit gesimst, wann er in Potsdam sein sollte, weil ich in der ersten Stunde sehr flott vorwärts gekommen war, uneingedenk dessen, dass sich meine Strecke etwas später ewig durch Ludwigsfelde und die Vorstädte von Potsdam ziehen würde: Viele Ampeln, viele Radfahrer und Fußgänger, Radwege mit teils holperigem Belag. Man muss defensiv fahren, zumal viele Autofahrer zu wenig auf Radler achten.
Ich kam also schon in Ludwigsfelde in Verzug und gab bis Potsdam zu viel Gas, um Andreas nicht allzu sehr warten zu lassen, was dazu führte, dass ein gewisses Brennen in meinen Schenkeln aufkam wie bei einem leichten Muskelkater. Das ist sehr schlecht, wenn man noch eine lange Strecke vor sich hat, weil das Brennen im Normalfall nicht mehr weggeht, solange man das Radeln fortsetzt, sondern Gefahr besteht, dass es schlimmer wird – vor allem wenn man einen ausgeruhten Sportpartner neben sich hat, der ein flottes Tempo fährt. Ich musste ihn ein paarmal bitten, vorauszufahren, damit ich bei Anstiegen die Muskulatur nicht zu sehr belastete, sondern so langsam machen konnte, wie mein Körper es haben wollte. (Die Anstiege sind nämlich das größte Problem bei Muskelschmerzen, und Gegenwind, den wir zum Glück nicht hatten.)
Mein Muskelbrennen ging jedenfalls nicht weg, wurde aber auch nicht schlimmer; es war auszuhalten und wurde ein klein wenig besser, als wir in Mühlenbeck (für mich 107 km) endlich eine kleine Pause einlegten für ne Kugel Eis.

Teil der alten Stadtmauer von Bernau
Teil der alten Stadtmauer von Bernau

In Bernau machten wir aber eine ganze Stunde Pause und aßen eine kleine Mahlzeit (wie andernorts erwähnt, wäre eine große Mahlzeit sehr ungünstig, wenn man noch viel Weg vor sich hat!). Meine Schenkel brannten nicht mehr, ich fühlte mich gestärkt, um noch ein gutes Stück zu schaffen, wenn auch mit reduziertem Tempo – logisch nach 123 km.
Andreas bog am Bahnhof Bernau ab, um auf dem Panke-Radweg heimwärts zu fahren, ich setzte meine Route fort. 16 Uhr, noch 55 km bis Königs Wusterhausen, noch drei Stunden bis Sonnenuntergang – würde ich es schaffen? Auf dieser Strecke liegen mehrere Bahnhöfe, ich konnte also im Zweifelsfall einfach die Radtour beenden, was ich auf dem langen Stück zwischen Bernau und Löhme/Seefeld ernsthaft in Erwägung zog: Gegenwind und ein sehr hoppeliger Straßenbelag (ich vermute, da war früher ganz grausliches Pflaster aus unebenmäßigen Feldsteinen, wie es früher in Brandenburg nicht unüblich war, und das wurde dann mal einfach überteert, und zwar zu dünn). Puh, gerate da mal nicht in den Kampfmodus, sondern werde so langsam, dass die Beinmuskeln nicht überlasten! Das ist SEHR langsam! und nicht einfach, wenn man die restlichen vielen Kilometer schon noch gerne schaffen würde, bevor es dunkel wird. Kampfmodus würde bedeuten: Ich fahre zügig, aber überanstrenge meine Muskeln, die dann bald komplett streiken.
Lieber auf den Körper hören, tief atmen, sich keine Sorgen, sondern schöne Gedanken machen: Das hilft. Man darf sich weder körperlich noch gedanklich stressen, denn beides führt zu einem Zuviel an Muskelanspannung (folglich VERspannung)! In der Ruhe liegt die Kraft. (Mehr Langstrecken-Tipps siehe Challenge 2!)
Ab Seefeld war der Straßenbelag prima, der Wind ließ nach. Altlandsberg ist nochmal eine kleine Herausforderung (man muss mitten durch den Ort mit Holperpflaster) und Woltersdorf auch (teils Asphalt mit Straßenbahnschienen drin, teils Pflaster), der Rest ist easy zu fahren, das Stück ab Erkner-Ortsende bis KW sogar richtig schön, und mein Körper lief wieder wie ein geöltes Maschinchen: Kein Problem also, die Runde zu vollenden. Und das Verrückte ist: Als ich um Punkt 19 Uhr auf dem Bahnsteig KW stand, war ich weder fix und fertig noch hatte ich auch nur die leisesten Schmerzen. Hätte ich jetzt aus irgendwelchen Gründen noch 15 km radeln müssen, wäre das auch noch gegangen.
Naviki-Karte Übersicht Radtour Rundkurs um Berlin
Grobe Streckenführung:
Bahnhof Königs Wusterhausen – Fußweg am Nottekanal – Mittenwalde – Zossener Chaussee – Telz – Dabendorf – Dabendorf Goethestraße – Glienick – Groß Schulzendorf – Wietstock – Ludwigsfelde – Struveshof – Drewitz – Am Schlaatz – Potsdam Hauptbahnhof – Alter Markt – Park “Neuer Garten”, Heiliger See – Radweg am Jungfernsee – Neu Fahrland – Groß Glienicke – Seeburg – Falkensee – Falkenhagen – Schönwalde Siedlung – Radweg am Havelkanal – Hennigsdorf – Stolpe – Hohen Neuendorf – Schönfließ – Mühlenbeck – Schönwalde – Gorinsee – Schönow – Bernau – Börnicke – Löhme – Seefeld – Krummensee – Altlandsberg – Fredersdorf – Woltersdorf – Erkner – Neu Zittau – Wernsdorf – Ziegenhals – Niederlehme – Zernsdorf – Königs Wusterhausen Bhf

Zur Karte:

© Beatrice Poschenrieder

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