Radtour 73: Challenge: Vom westlichsten Bahnhof Brandenburgs 147 km bis Hennigsdorf

Ruhige Landstraße im Havelland nahe Nauen, zwischen Ebereschenhof und Börnicke
So schön ist das Havelland! Hier zwischen Ebereschenhof und Börnicke

Meine zweite Challenge: Schaffe ich es mit dem Trekkingbike von Karstädt im Nordwesten Brandenburgs zu einer Berliner S-Bahn?

Sehr gut bei Nordwestwind, Gesamtlänge: 147 km

Strecke abkürzen:
Erst ab Bahnhof Perleberg: 133 km
Erst ab Bahnhof Glöwen: 104 km
Nur bis Bahnhof Glöwen: 43 km
Nur bis Bahnhof Friesack: 97 km
Erst ab Bahnhof Friesack: 54 km

Nach meiner ersten Challenge (vom südlichsten Ort Brandenburgs Richtung Berlin), wo ja nicht etwa körperliche Schwäche die Tour beendet hatte, sondern die Dämmerung, wollte ich´s erneut wissen: Ist da noch mehr drin? Aber natürlich nicht auf der selben Strecke. Meine Idee: Noch alle Strecken zu radeln vom westlichsten, nördlichsten und östlichsten Ort Brandenburgs in Richtung Berlin, so weit es eben ginge. Doch leider ist nur der Ort meiner ersten Challenge mit dem Zug erreichbar – die Orte in den anderen Himmelsrichtungen sind von einem Bahnhof zu weit entfernt, ich müsste also erst mal ein großes Stück vom nächstgelegenen Bahnhof dorthin radeln. Also dachte ich mir: Nehme ich halt nicht den Ort, sondern den Bahnhof, der am weitesten draußen liegt! Für die westliche Richtung ist das Karstädt, ein kleiner Ort nördlich von Wittenberge (ca. 21 km Luftlinie, ca. 26 km mit dem Rad).

Der Bahnhof von Karstädt in der Prignitz
Startpunkt ganz im Nordwesten von Brandenburg: Bahnhof Karstädt

Da der Regionalzug nach Karstädt nur alle zwei Stunden geht und ich nicht erst um 11:09 Uhr da sein wollte, musste ich um 5:15 Uhr aufstehen, um den früheren Zug zu erwischen und noch genug Zeit für ein Frühstück und die Vorbereitungen zu haben. Puh!
In Karstädt machte ich als Erstes eine Besichtigungsrunde durch den Ort – wenn man schon mal da ist! Nun ja, es lohnt sich nicht wirklich, jedoch auf jeden Fall im nächsten größeren Ort: Perleberg. Es macht es seinem Namen alle Ehre, für mich ist es die Perle der Prignitz, eine entzückende Stadt mit einem sehenswerten historischen Stadtkern. Wie ich dort so stehe und Fotos von der Roland-Statue mache, tritt eine ältere Dame auf mich zu, so nah, als wäre Corona hiesig gänzlich unbekannt, und raunt mir ins Ohr: “Wissen Sie denn, was der da vorstellt?” Ich gucke ratlos, sie: “Das rechte Bein!” und beölt sich. Stimmt: Bei genauem Hinsehen hat der Roland einen Fuß etwas weiter vorn. Dann erklärt sie mir, das wäre ein ganz alter lokaler Witz, mit dem sie bereits im Schulalter hereingelegt worden sei.

Die Roland-Figur bzw. -Statue und Straßenlokal am Marktplatz von Perleberg
Die Roland-Figur bzw. -Statue im Zentrum von Perleberg

Nach einem kleinen Exkurs über das tolle Perleberg setze ich meinen Weg fort, auf Radwegen neben der schnurgeraden Landstraße; die ruhige grüne Natur links und rechts ist wohltuend für Auge und Gemüt – wie bereits in der ersten Etappe vor Perleberg. Das Radeln geht mühelos dahin, obschon ich keinen Rückenwind habe (es weht nämlich gar kein Wind).
Ich bin recht fix in Glöwen und dann im reizenden Havelberg (Infos und Fotos dazu in Radtour 53 und in Radtour 53a).

Ab jetzt ist die Route für mich eh Heimspiel, ich kenne die Gegend und die Radwege sehr gut, und vor allem sind sie immer wieder wunderschön! Ganz kurz nach Havelberg gehen mehrere Naturschutzgebiete los, längs der mäandernden Havel, die du vom Radweg aus auch häufig sehen kannst – viele Kilometer weit radelt man durch diese umwerfende Landschaft, die nach ca. 25 km nahtlos übergeht in den “Naturpark Westhavelland”: das weitläufigste Großschutzgebiet Brandenburgs ist laut der zugehörigen Webseite geprägt durch «Wasser, weite Niederungen, waldreiche Erhebungen und kleine märkische Ortschaften» (stimmt!).

Ich warte vergeblich auf einen Hänger, wie ich ihn in der ersten Challenge hatte; ich bin fit, hab Freude an der Tour und radle die ersten 95 km ohne Pause, abgesehen von dem Abstecher in Perleberg und Mini-Stopps, um auf die Karte zu schauen oder einen Schluck aus der Flasche zu nehmen oder das Wasser wieder loszuwerden. In Friesack mache ich dann Rast und esse den Rest meiner bereits angeknabberten Stulle. Eine Frau schenkt mir Äpfel aus ihrem Garten; als sie erfährt, wie viel ich schon geradelt bin und was ich noch vor mir habe, fragt sie mich voller Mitleid, ob sie mir noch was anderes zu essen bringen soll. Ich radle weiter und lache vor mich hin, lege frohgemut den Rest zurück, ohne Probleme, ohne Zwicken oder Zwacken im Körper. Für viele Rennradfahrer sind 147 km sicherlich nichts Besonderes, aber für eine ältere Lady wie mich, die ein Trekkingbike fährt und sich nicht die Bohne um gezieltes Training schert, schon, und für die meisten Gelegenheitsradler eh.
Was hilft bei so einer langen Strecke?
• Ein Fahrrad von guter Qualität und in gutem Wartungszustand,
• eine Strecke ohne Gegenwind,
• beim Radeln sein ganz eigenes Tempo finden (siehe dazu Challenge 3, Mitte des Textes) und sich nicht stressen,
genug trinken,
das Richtige essen und keine allzu großen Mengen.
In Hennigsdorf überlege ich, ob ich noch ein Stück nach Berlin reinfahre, weil es erst viertel vor sieben ist, aber ich fühle mich so klebrig und sehne mich nach einer Dusche – es war ein warmer Tag; also ab in die S-Bahn und heim. Ich hab die Herausforderung geschafft und die Kilometerzahl der ersten Challenge ein bisschen übertroffen – was will man mehr!

Challenge-Radtour in Brandenburg von Karstädt nach Hennigsdorf über Perleberg, Havelberg

Grobe Streckenführung:
Bahnhof Karstädt – Semlin – Glövzin – Premslin – Quitzow – Perleberg – Düpow – Groß Verzin – Neu Schrepkow – Glöwen – Havelberg – Jederitz – Kuhlhausen – Garzer Mühle – Strohdehne – Rhinow – Stölln – Kleßen – Friesack – Vietznitz – Warsow – Jahnberge – Lobeofsund – Königshorst – Deutschhof – Dreibrück – Platanenweg – Ebereschenhof – Börnicke – Grünefeld – Paaren im Glien – Perwenitz – Pausin – Wansdorf – Bötzow – S-Bahnhof Hennigsdorf

Zur Karte:
Sie enthält
1) eine kleine Runde durch Karstädt;
2) eine kleine Stippvisite ins Zentrum von Perleberg.

© Beatrice Poschenrieder

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