MEHR INFOS! Radtour 14a: Erlebnistour südlich von Berlin: KW – Zossen – Trebbin – Blankensee – Seddin

Eingang / Tor zum Schloss Blankensee
Eingang / Tor zum Schloss Blankensee

Diese Tour geht nicht nur durch drei Landkreise, sondern auch 2 x am Nottekanal entlang, durch den Fläming und den Naturpark Nuthe-Nieplitz

Gut bei Ostwind, Gesamtlänge: 66 km
Strecke abkürzen:
Nur Bhf KW bis Bhf Trebbin 39 km; nur Bhf Zossen bis Bhf Seddin 47,5 km; erst ab Bhf Trebbin bis Bhf Seddin 27 km

Wer hätte gedacht, dass es nur ein bisschen südlich von Berlin so hübsch ist und die Gegend so viel bietet?
Die drei in der Zwischenüberschrift erwähnten Landkreise sind übrigens Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark.
Gleich zu Beginn machen wir einen Mini-Abstecher zum Schloss Königs Wusterhausen, einem sehr schön restaurierten Gebäude. Heute ist ein Museum drin, früher war es die Jagd- und Herbstresidenz des “Soldatenkönigs”, Friedrich Wilhelm I. Erbaut hat er das Schloss nicht, das gab es schon länger, sondern er erhielt als zehnjähriger Knabe das gesamte Anwesen mitsamt dem ganzen Ort, der damals noch “Wusterhausen” hieß, als Weihnachtsgeschenk. Später, als König, nutzte er es für die Jagd, als Regierungssitz und für seine berühmten “Tabakskollegien” (reine Männerzusammenkünfte, in denen viel geraucht und getrunken und über Politik und Zeitgeschehen diskutiert wurde).
Der Soldatenkönig mochte Protz und Prunk nicht besonders, daher war sein Schloss eher schlicht eingerichtet.

Schloss Königs Wusterhausen, Vorderseite
Schloss Königs Wusterhausen von vorn: Wundervolle Schlichtheit

Königs Wusterhausen wird im Volksmund schlicht “KW” genannt, was aber auch für eine andere Besonderheit der Stadt stehen kann, nämlich “KW” für Kurzwelle: Von hier verbreitete ab 1920 der erste Sendemast den deutschen Rundfunk. Der Mast steht auf einem Hügel, den ich nicht in meine Route eingebaut habe (falsche Richtung!), der aber leicht zu finden ist: Vom Schlossplatz geht die Berliner Straße ab, fahre sie einfach geradeaus, sie geht in eine Straße über, die “Funkerberg” heißt, und die fährst du einfach bis zum Ende durch, dann bist du beim alten Sendemast (das sind nur ca. 800 – 900 m).

Meine Route jedenfalls führt vom Schloss direkt zum Nottekanal. Der ist ganz schön lang und verbindet die Dahme (die ein bisschen östlich von KW verläuft) mit KW, Mittenwalde, Zossen und Mellensee sowie dem gleichnamigen See; da kommen wir ja auch überall dran vorbei. Eigentlich ist der Nottekanal gar kein klassischer Kanal (also künstlich geschaffen), sondern es ist zwischen dem Mellensee und der Dahme ein kanalisierter kleiner Fluss, die Notte; aber der Begriff “Nottekanal” hat sich stärker eingebürgert.
Der schöne Fußgänger- und Radweg daran entlang (Fotos siehe Radtour 9a und Radtour 77) führt uns schnurgerade nach Mittenwalde; in dieses kleine Städtchen habe ich keinen Abstecher eingebaut (folgt bald in einer anderen Radtour), unsere Route geht eh nicht mittendurch, sondern dran vorbei – über das Dorf Telz zur Kleinstadt Zossen, wo´s nicht nur mittenrein geht, sondern auch noch von der schönen, riesigen Kirche aus zum Schloss (das mehr wie ein altes Gutshaus aussieht) und zum Stadtpark und dort direkt an der Burgruine vorbei. Leider ist von der ehemaligen Burg nicht mehr viel übrig… Sie war im Mittelalter Teil einer Festungsanlage mit Stadtmauern; diese wurde im 17. Jahrhundert im 30jährigen Krieg zerstört; etwas später vernichteten Stadtbrände einen Großteil der Häuser und Gebäude.

Marktplatz im Zentrum von Zossen, Blick auf die Kirche, die Ratsstube und Häuser mit Geschäften
Der Marktplatz von Zossen: Ruhig und gemütlich

Ähnlich erging es der nächsten Stadt auf unserer Route, Trebbin. Auch sie hatte im Mittelalter eine Burg, Stadtmauern, ein Schloss und natürlich weitere Gebäude sowie Wohnhäuser. Hier wüteten vor allem im 16. Jahrhundert die Pest und mehrere verheerende Brände, die praktisch nur noch Schutt und Asche hinterließen.

Zentrum und Hauptstraße von Trebbin, Teltow-Fläming
Trebbin-Zentrum: Im Frühling eine blühende Stadt

Auch Zerstörung unterworfen, wenn auch ganz anderer Art, war unsere nächste Station, die sog. Friedensstadt im Trebbiner Ortsteil Glau. Deren offizieller Name lautet Friedensstadt Weißenberg, nach Joseph Weißenberg, einem Religions- und Sozialreformer. Er gründete den Ort vor gut hundert Jahren, 1920, auf Basis von Spenden. Die Friedensstadt war ein ganz erstaunliches Sozial- und Wohnprojekt: Bezahlbarer Wohnraum für Menschen, die u.a. in Berlin nichts fanden, und zugleich eine große Wohn- und Religionsgemeinschaft, die Autarkie anstrebte. Sie entwickelte sich (ich zitiere Wikipedia) zur “größten Privatsiedlung Deutschlands… In nur 15 Jahren entstanden auf 80 Hektar etwa 40 Gebäude für 400 Bewohner: Wohnhäuser, Schule, Altersheim, Landwirtschaftsbetrieb, Werkstätten, Kirche u.a. … Insgesamt gehörten zur Friedensstadt 400 Hektar Fläche. Wirtschaftlich war die Siedlung nach wenigen Jahren trotz Inflation und Weltwirtschaftskrise dank ihrer Betriebe (Landwirtschaft, Wäscherei, Gastronomie) weitgehend autark.”
Leider nur für diese 15 Jahre: 1935 verbot die NS die Religionsgemeinschaft, die offiziell Eigentümerin der Friedensstadt war, und enteignete sie, Weißenberg wurde verhaftet und verurteilt, die Bewohner wurden vertrieben, die Gebäude besetzt; Teile der Siedlung dienten dann als Außenstelle des KZ Sachsenhausen, Teile wurden zwangsverkauft.
Nach dem Krieg wiederum wurde sie von der sowjetischen Besatzungsmacht in Beschlag genommen.
Erst 1994 wurde die Friedensstadt der Religionsgemeinschaft zurückgegeben. Seitdem finden Wiederaufbau und Sanierungen statt, es leben auch wieder Menschen dort.

Wohnhäuser in der Friedensstadt Glau, das graue unsaniert, das weiße saniert. Auf dem grauen steht: "Mit Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der wahre Lebenslauf"
Wohnhäuser in der Friedensstadt Glau, das graue unsaniert, das weiße saniert. Auf dem grauen steht: “Mit Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der wahre Lebenslauf”

Zum weiteren Verlauf der Strecke und deren Besonderheiten siehe Radtour 14!

Grobe Streckenführung: Bahnhof Königs Wusterhausen – Nottekanal – Mittenwalde – Zossen – Mellensee – Saalow – Gadsdorf – Lüdersdorf – Trebbin – Löwendorf – Glau – Friedensstadt – Naturpark-Zentrum – Blankensee – Stücken – Fresdorf – Kähnsdorf – Seddin – Seddin Bhf (der ist in Neuseddin)

Zur Karte:
Sie enthält
1) einen Mini-Umweg in Königs Wusterhausen zum Schloss und Schlosspark;
2) in Zossen einen Schlenker zum Schloss und in den Stadtpark zur Burg-Ruine;
3) einen kleinen Umweg ins Naturparkzentrum Glauer Tal (zum Gebäude des Zentrums mit Ticket-Verkauf fürs Wildgehege musst du zwischendrin mal abbiegen, siehe Karte von Radtour 14);
4) in Blankensee einen Schlenker zum Bohlensteg am See und zum Schloss;
5) in Seddin einen Abstecher zum Badestrand (Großer Seddiner See).

 
Die GPS-Navi-Daten und eine wichtige Bitte: Ich hab Zeit und Mühe investiert, um diese Radroute für MEINE Webseite zu entwickeln, nicht für Komoot & Co. Ich wäre dir dankbar, wenn du dafür sorgst, dass sie nicht auf anderen Webseiten veröffentlicht wird.

Download file: Rt14a_KW_Zossen_Trebbin_Blankensee_Seddin.gpx

© Beatrice Poschenrieder

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